* 9 *
Das Gespenst kaute gelangweilt an seinen Fingerkuppen und zog mit seinen schwarzen Zähnen lange Hautfetzen ab. Zornig starrte es seinen Meister an – ein Nichtsnutz in seinen Augen – und verfluchte sein Pech, ausgerechnet einem solchen Dummkopf dienen zu müssen. Sein Meister, in seliger Ahnungslosigkeit, welche Wellen der Verachtung da gegen ihn anbrandeten, war ebenfalls fleißig mit Kauen beschäftigt. Merrin lehnte träge an dem alten Glockenturm gegenüber dem Palast und aß eine Lakritzschlange, die allererste echte Süßigkeit, die er in seinem Leben probierte. Nach der unliebsamen Begegnung mit Beetle im Manuskriptorium war er durch die Anwanden gestreift, und dabei hatte er Mutter Custards Süßwarenladen entdeckt, der versteckt am anderen Ende der Burg, in der Zuckerhutgasse neben dem alten Hafen, lag und täglich rund um die Uhr geöffnet hatte. Während das Gespenst mit seinem Sack Knochen draußen wartete und einen wabernden Nebel erzeugte, der andere Kunden abschreckte, bestaunte Merrin drinnen eine halbe Ewigkeit lang all die süßen Naschereien. Mutter Custard war Kundschaft gewohnt, die stundenlang zwischen Zitronenbatzen und Knallbrause schwankte, und ließ ihn gewähren. Am Ende hatte sich Merrin für Lakritzschlangen entschieden, weil sie ihn an die schwarze Schlange erinnerten, die Simon Heap hielt, und weil er wissen wollte, wie Schlange wohl schmeckte.
Jetzt kaute er genüsslich an seinem letzten Lakritzstückchen, blickte hinauf zu den Fenstern des Palastes – ein niedriges, lang gestrecktes und freundliches Gebäude – und begann, sie zu zählen. In diesem Augenblick kam ihm die Idee. Wieso Geld verschwenden und ein Zimmer mieten? Wenn er nur daran dachte, wie viele Lakritzschlangen er sich für eine ganze Wochenmiete kaufen konnte! Und überhaupt, die Burg war sein Zuhause – er konnte wohnen, wo er wollte. Und damit basta!
Und wo wohnte es sich besser als im Palast? Merrin schluckte den Schwanz der Schlange entschlossen hinunter. Problem gelöst.
Er wusste, wie man heimlich in Häuser eindrang, besonders in solche, die man nicht betreten durfte. So war es für ihn ein Kinderspiel, unbemerkt durch die enge, von hohen Mauern gesäumte Gasse zu schleichen, die außen um das Palastgelände herum zu der kleinen Pforte in der Umfriedung des Gemüsegartens führte. Die Pforte war wie gewöhnlich nicht verschlossen. Sarah Heap ließ sie gerne offen, damit ihre Freundin Sally Mullin am Vormittag auf einen Plausch vorbeischauen konnte, ehe sie vor dem Mittagsandrang wieder in ihr Cafe zurückmusste.
Merrin hatte die Absicht, eines Tages den gesamten Palast mit Beschlag zu belegen – wie einst DomDaniels Stellvertreter, der Oberste Wächter –, doch vorläufig lagen die Verhältnisse leider noch etwas anders. Dicht gefolgt von dem Gespenst, schlüpfte er durch die offene Pforte und gelangte in den Gemüsegarten.
Der Gemüsegarten gefiel ihm. Er entsprach seinem Ordnungssinn. Denn der Garten war der einzige Ort, wo Sarah Heap Ordnung hielt. Er war ringsum mit einer hohen roten Backsteinmauer umgeben und schön angelegt. Säuberlich gemähte Graswege teilten gepflegte Beete, in denen Sarah Frühsalat, Erbsen, Bohnen und allerlei andere Gemüse zog, die Merrin überhaupt nicht kannte, geschweige denn jemals gegessen hatte. Alle Wege führten zu einem Ziehbrunnen in der Mitte des Gartens, aus dem Sarah das Wasser für ihre Pflanzen schöpfte. Am anderen Ende des Gartens wölbte sich ein niedriger Torbogen aus Ziegelsteinen, der, wie Merrin sehen konnte, in einen überdachten Weg mündete.
Sich dicht an der Mauer haltend, schlich er die Graswege entlang, wobei er der Versuchung widerstand, die frisch gepflanzten Salatstecklinge zu zählen. Als er sich dem Bogen näherte, konnte er sein Glück kaum fassen. Der überdachte Weg endete an einer halb offenen Tür, die direkt in den Palast führte. Sein neues Zuhause lud ihn förmlich ein.
In diesem Augenblick spürte er einen Hauch in seinem Nacken. Schon eine ganze Weile hatte er das Gefühl, dass er verfolgt wurde. Zum ersten Mal hatte er es vor der Schenke Zum Dankbaren Steinbutt gespürt, dann wieder, als er aus dem Manuskriptorium gekommen war, und am stärksten vor Mutter Custards Laden – etwas hatte draußen auf ihn gewartet, doch so oft er sich auch umgesehen hatte, er hatte nichts bemerkt. Jetzt aber war er sich seiner Sache sicher. Er wirbelte herum und überrumpelte das Gespenst.
»Hab ich dich erwischt!«, schrie er und hielt sich im nächsten Moment erschrocken die Hand vor den Mund. Ob ihn jemand gehört hatte? Er und das Gespenst erstarrten, glotzten einander an und lauschten auf Schritte. Es kamen keine.
»Du blödes Gespenst«, zischte Merrin, »hab ich dir nicht gesagt, du sollst meinen Mantel suchen. Was willst du hier?«
»Ich bin hier, um dir zu helfen, Meister«, antwortete das Gespenst mit leiser, trauriger Stimme.
»Nur du?«, erkundigte sich Merrin misstrauisch.
»Nur ich, Meister«, antwortete das Gespenst bekümmert.
Merrin atmete erleichtert auf. »Gut, du kannst draußen warten. Ich will nicht, dass du im Palast hinter mir herschleichst... oh Mist, wozu hast du die denn mitgebracht?« Merrin hatte den Sack mit den Knochen bemerkt.
»Für diiiiich, Meister«, säuselte das Gespenst mit seiner zuckrigen Stimme.
Merrin sah das Gespenst prüfend an. Zu dumm, dass man ihm nicht vom Gesicht ablesen konnte, was es dachte. Irgendwie hatte er nämlich das Gefühl, dass es ihn zum Narren hielt. Doch andererseits wusste er auch, dass das Gespenst ihm gehorchen musste, ganz gleich was in seinem Kopf vorging. »Ich möchte diese ekligen Knochen nicht«, sagte er zu dem Gespenst. »Du kannst sie ...« Er sah sich nach einer geeigneten Stelle für die Gebeine um. »Du kannst sie in den Brunnen dort werfen.«
Das Gespenst machte ein entsetztes Gesicht, doch Merrin sah nur ein schwaches rotes Aufblitzen seiner Eidechsenaugen. Während das Gespenst noch fassungslos auf den Sack mit den kostbaren Knochen starrte, schlich Merrin unter dem Bogen durch und dann, von Pfeiler zu Pfeiler huschend, den überdachten Weg entlang, bis er an der halb offenen Tür anlangte. Die Tür sah so aus, als ob sie fürchterlich quietschen würde, und so zwängte er sich durch den Spalt in das kühle, muffige Dunkel des alten Gemäuers. Und schon war er drin im Palast.
Wenig später trat Sarah durch eine schmale Tür neben der alten Küche in den Garten. Sie trug immer noch Jannits verbeulten Matrosenstrohhut. Sie mochte ihn, denn wenn sie ihn aufhatte, fühlte sie sich leicht und unbeschwert wie lange nicht mehr. Doch als sie zum Gewächshaus ging, um die Sämlinge zu holen, die sie heute setzen wollte, und dabei am Brunnen vorbeikam, überfiel sie eine plötzliche Niedergeschlagenheit. Sie blieb abrupt stehen – am Brunnen war eine magische dunkle Kraft.
Sarah Heap interessierte sich seit Jahren nicht mehr für Magie. Sie hatte auf Kräuterheilkunde umgesattelt und geglaubt, sie habe die Zauberei weit hinter sich gelassen. Doch sie besaß noch die typischen grünen Zaubereraugen und verstand genug von Magie, um einen Sehzauber durchzuführen. Und als sie zu ihrem Entsetzen sah, wie sich das Gespenst mit einem Sack, der etwas Dunkelmagisches enthielt, über den Brunnen beugte, ihren schönen, klaren, sauberen und reinen Brunnen, da kehrten all ihre magischen Kräfte zurück. Sie sah dem Gespenst in die Augen – soweit das bei dessen ausweichendem, fahrigem Blick überhaupt möglich war – und sprach ganz langsam:
Gegen Böses gefeit über Tag und Jahr.
Das Gespenst funkelte Sarah erbost an, doch da war nichts zu machen. Es warf sich den Sack mit den Knochen über die Schulter und trollte sich. Sarah sah ihm nach, bis es den Gemüsegarten verlassen hatte, dann war es um ihre Selbstbeherrschung geschehen. Vor Schreck über das Gesehene begann sie zu zittern, rannte wieder nach drinnen und setzte sich zu Ethel.
Das Gespenst wartete, bis Sarah im Palast verschwunden war, dann kehrte es in den Garten zurück. Da es die Knochen nicht wie befohlen im Brunnen versenken konnte, entschied es sich für den Schuppen und stellte den Sack vorsichtig zwischen gestapelte Blumentöpfe und sonstigen Gartenkram. Dann lief es mit federnden Schritten zu der halb offenen Tür, die in den Palast führte, und kroch in einen dichten Busch, um dort zu warten, bis der Meister wieder herauskam.
Der Palast war nicht so, wie Merrin erwartet hatte. Er roch eigenartig – feucht und alt, und in den Ecken lauerten unangenehme Küchendünste. Und als sich seine Augen an das Halbdunkel gewöhnt hatten, erkannte er, dass er auch nicht schön aussah. Der Putz war rissig und bröckelte von den Wänden, und wo Merrin ihn leicht gestreift hatte, war sein schwarzer Umhang voller Staub. Vor ihm erstreckte sich ein scheinbar endloser, mit Steinplatten ausgelegter Korridor, der unter dem Namen Langgang bekannt war. Er war so breit wie eine schmale Straße, und in der Mitte lag ein abgetretener roter Teppich. Merrin schlich vorsichtig weiter. Alle paar Meter ging eine offene Tür vom Korridor ab, und zu Anfang blieb er bei jeder stehen, da er befürchtete, es könnte jemand herauskommen. Doch im Moment wohnten im Palast nur Sarah, Silas und Jenna Heap – und Maxie, der Wolfshund. Dienstboten waren nicht Sarahs Sache, sie machte lieber alles selbst. Und die wenigen, die sie eingestellt hatte, waren heute Morgen woanders. Die Köchin weilte in der Küche und schwatzte mit der Putzfrau, der Spüljunge hielt in der Speisekammer ein Nickerchen, und die Hauswirtschafterin war wegen einer schweren Erkältung zu Hause geblieben.
Bald begriff Merrin, dass der Palast verlassen war, und wurde mutiger. Im Vorbeigehen verteilte er Knuffe an die merkwürdigen Gegenstände, die im Langgang ausgestellt waren. Da gab es Statuen in allen Größen und Formen, von Tieren, Menschen und jener Art unheimlicher Kreaturen, wie sie Merrin oft in schlechten Träumen erschienen. Außerdem hohe Vasen, ausgestopfte Tiger, einen alten Streitwagen, versteinerte Bäume, Schrumpfköpfe, Galionsfiguren von Schiffen und allen möglichen sonstigen Plunder. An den Wänden hingen alte Ölgemälde längst verstorbener Königinnen und Prinzessinnen, und wenn Merrin zu ihnen aufschaute, war er sich sicher, dass ihre Augen ihm folgten. Er rechnete jeden Augenblick damit, dass eine von ihnen aus dem Bild fasste, ihn auf die Schulter tippte und fragte, was er hier verloren habe.
Doch sie taten es nicht. Keine.
Nach einer Weile gelangte er an einen zerrissenen und verblichenen roten Samtvorhang. Er war zurückgeschlagen, und dahinter sah er eine steile und schmale Treppe, die sich nach oben in die Dunkelheit schraubte. Das gefiel ihm schon eher. Was ihm vorschwebte, war ein Zimmer unterm Dach, in dem er sich verstecken, Pläne schmieden und das Kommen und Gehen im Palast beobachten konnte. Kurz entschlossen schlüpfte er hinter den Vorhang. Bald schlich er auf Zehenspitzen die knarrenden Stufen hinauf, vorbei an feuchten, sich ablösenden Tapeten. Er musste sich durch dicke Spinnweben kämpfen, und einmal brach er zu seinem Entsetzen durch das verfaulte Holz einer Stufe, sodass sein Fuß in der Luft baumelte. Er kam an einem Treppenabsatz vorbei, auf dem leere alte Kisten gestapelt waren, dann folgten zwei weitere Treppen, bis er schließlich in ein Gewirr kleiner Dachstuben gelangte, das sich über die gesamte Länge des Palastes hinzog. In früheren Zeiten, als der Palast noch von Dienstboten und Lakaien wimmelte, hatten hier die ranghöheren Angestellten gewohnt, nun aber standen die Stuben leer und beherbergten nur einige ungesellige Geister von Gouvernanten, Kammerzofen und Lakaien. Die meisten Palastgeister bevorzugten die unteren Etagen. Dort konnte man alte Freunde treffen und über die gute alte Zeit plaudern, in der alles viel besser gewesen war. Oder mit etwas Glück sogar einen Blick von der lebenden Prinzessin erhaschen.
Merrin entschied sich für ein Gouvernantenzimmer, dessen Fenster nach vorn hinausging. Es war klein, verfügte jedoch über ein Bett, einen Tisch, einen kleinen Schrank und einen Kamin, in dem noch Asche vom letzten Feuer lag. Der Raum hatte eine düstere Atmosphäre, die durch die verblasste Rosentapete noch verstärkt wurde. Doch Merrin bemerkte weder das eine noch das andere. Ihm gefiel er.
Aber Merrin gefiel der Bewohnerin der Kammer nicht. Die Gouvernante, die ein langes graues Kleid mit rotem Saum trug, wie es einst alle Gouvernanten von Prinzessinnen getragen hatten, sprang auf und sah entsetzt zu, wie Merrin ihr geliebtes kleines Reich abschritt, als sei es sein eigenes. Zweimal passierte er beinahe ihren Fuß – was kein Wunder war, denn sie trug die langen spitzen Schuhe, die zu ihrer Zeit in Mode gewesen waren. Und als er sich auf ihr Bett setzte und wie ein ungezogener Dreijähriger darauf herumhopste, um die Stabilität der Sprungfedern zu testen, konnte sie es nicht länger ertragen. In einem eisigen Luftzug flüchtete sie aus der Kammer, und Merrin wunderte sich, warum plötzlich mit einem lauten Knall die Tür zufiel.
Er setzte seinen Rucksack ab und legte seine kostbaren Besitztümer der Größe nach auf den kleinen Tisch unter dem Mansardenfenster. Dann besann er sich anders und ordnete sie nach dem Alphabet – und schließlich nach ihrer Wichtigkeit. Dies nahm geraume Zeit in Anspruch, doch am Ende reihten sich von links nach rechts:
1 | mit Eselsohren verunziertes Buch mit dem Titel Der Schwarze Index von T.F.F. (verstorben) |
1 | kleiner, viereckiger Ebenholzkasten mit der Aufschrift Spürnase |
1 | Magogklaue |
1 | Flasche Fliegen (die meisten tot) |
1 | kleiner Becher Wurmschleim |
1 | Schlafanzug |
1 | Zahnbürste |
1 | Stück Seife |
Als alles ordentlich dalag, wischte Merrin den Schmutz von der kleinen Fensterscheibe der Kammer und spähte durch das verschmierte Guckloch. Der Ausblick war großartig und reichte bis hinüber zum alten Zeremonienweg. Der Zeremonienweg war wie gewöhnlich menschenleer, aber links davon konnte Merrin die Zaubererallee sehen – Fußgänger hasteten dicht an den niedrigen gelben Steinhäusern entlang, um Schutz vor dem Wind zu finden, der ihre Mäntel flattern und so manchen Hut davonfliegen ließ. Kurz vor dem Ende der Allee war linker Hand noch die rote Tür des Manuskriptoriums auszumachen. Und vor der Tür stand, an der hellgrünen Lehrlingstracht leicht zu erkennen, dieser Septimus Heap.
Merrin konnte es kaum fassen, dass sich so rasch – und so leicht – eine Gelegenheit bot, mit der Verdunkelung fortzufahren. Hastig schlug er den Schwarzen Index auf, fand die gewünschte Seite und begann mit der nächsten Phase der Verdunkelung eines anderen Schicksals. Er heftete seinen Blick auf Septimus und hielt seinen Daumen so, dass das linke Gesicht des Rings aus dem Fenster blickte. Dann sprach er langsam und leise die lange Zauberformel. Er sah, wie Septimus stehen blieb, sich umschaute und dann auf seine Schuhe blickte, als ob er in etwas getreten sei. Merrin kicherte. Dieser Septimus Heap hatte keine Ahnung, was mit ihm geschah, nicht die leiseste Ahnung. So langsam beherrschte er diese Schwarzkünstlertricks. Und er würde darin noch viel besser werden.
Ein berauschendes Gefühl der Macht durchströmte ihn, und er lachte laut los. Er besaß den doppelgesichtigen Ring – er war unsterblich. Zum ersten Mal in seinem Leben kam er sich wichtig vor. Doch das Beste von allem war in diesem Augenblick, dass er eine eigene Unterkunft hatte und kein Mensch wusste, wo er zu finden war. Niemand konnte kommen, ihn aus dem Bett werfen und zwingen, seine Lektionen zu lernen oder sein Kohlsandwich aufzuessen. Er konnte den ganzen Tag im Bett bleiben, wenn ihm danach war. Und wie es der Zufall wollte, war ihm jetzt danach, sich ein wenig hinzulegen. Im Dankbaren Steinbutt hatte er schlecht geschlafen. Die Matratze war klumpig gewesen, und er hatte ein fremdes Atmen im Zimmer gehört. Und in der Nacht davor hatte er kaum ein Auge zugetan. Er gähnte. Eigentlich sollte er noch einen Brief schreiben, doch das hatte bis später Zeit. Er legte sich auf das Bett der Gouvernante, dessen Matratze ebenso klumpig war, und schlief sofort ein.
Merrin fühlte sich wie gerädert, als er erwachte, und geriet in Panik, denn er wusste nicht, wie spät es war. Am Turm über der Uhrenwerkstatt am Ende der Zaubererallee war eine große Uhr, und er atmete erleichtert auf. Alles in Ordnung. Er hatte noch eine halbe Stunde bis zu seinem Vorstellungsgespräch. Rasch stopfte er den Schwarzen Index in die Tasche, durchmaß den kleinen Raum und wollte die Tür öffnen. Sie klemmte. Er zog noch einmal, fester. Sie ging nicht auf.
Fünfundzwanzig Minuten später und mittlerweile in einem Zustand heilloser Panik, riss Merrin ein letztes Mal mit aller Kraft an der Tür. Sie flog auf, und er purzelte rücklings in die Kammer. Mit schmerzverzerrtem Gesicht rappelte er sich hoch und stürzte hinaus. Ohne sich darum zu kümmern, ob ihn jemand sah oder hörte, rannte er die Treppe hinunter. Diese Chance wollte er sich auf keinen Fall vermasseln. Er musste pünktlich sein, koste es, was es wolle. Und wer sich ihm in den Weg stellte, sollte sich lieber in Acht nehmen!